Stefanie Fröhlich
1. Du begleitest Kinder und Familien auf dem Weg zu mehr innerer Stärke und Selbstwirksamkeit. Welche Herausforderungen begegnen dir dabei im Umgang mit digitalen Medien?
Eine der größten Herausforderungen ist, dass digitale Medien oft als schnelle Selbstregulation genutzt werden – als Ablenkung oder Beruhigung, wenn ein Kind überreizt oder gelangweilt ist oder „runter kommen“ soll. Das funktioniert kurzfristig, aber auf Dauer verlieren Kinder die Verbindung zu anderen Formen der Regulation, etwa über Bewegung, Atmung oder kreativen Ausdruck.
Eltern stehen oft zwischen zwei Extremen: “Alles verbieten” oder “einfach laufen lassen”. Ich empfehle Familien, einen anderen Weg zu finden: gemeinsam aushandeln, begleiten, Grenzen setzen – in Verbindung bleiben. Das stärkt nicht nur die Medienkompetenz, sondern auch die Beziehung.
2. Selbstregulation ist ein zentrales Thema in deiner Arbeit. Wie können Kinder lernen, auch in der digitalen Welt mit Reizen, Frust oder Langeweile gut umzugehen?
Selbstregulation ist eine Fähigkeit, die gelernt und geübt werden darf – genauso wie Fahrradfahren. Ich arbeite mit Kindern viel über das Körperbewusstsein und das Nervensystem: Was spüre ich gerade? Bin ich überdreht, traurig, unruhig? Woher weiß ich überhaupt wie es mir geht? Was hilft mir wirklich, wenn ich gestresst bin – und was lenkt mich nur kurzfristig ab?
Ich zeige ihnen spielerisch Möglichkeiten jenseits von Bildschirmzeit: Atemübungen, Bewegung, S-O-S- Übungen, Fantasiereisen, kreative Pausen, gemeinsame Gespräche, Spiele…. Es geht nicht darum, Medien zu verteufeln – sondern darum, zu spüren, was mir gerade gut tut.
3. Was brauchen Kinder aus deiner Sicht, um im digitalen Alltag emotional stabil zu bleiben, gerade wenn es um Social Media, Vergleiche oder Cybermobbing geht?
Kinder brauchen vor allem echte Verbindung und einen sicheren emotionalen Hafen. Jemanden, der zuhört, ohne sofort zu bewerten oder zu lösen. Wenn Kinder über Vergleiche, Verletzungen oder Mobbing sprechen, ist das Wichtigste oft: einfach da sein.
In meiner Arbeit ist es zentral, Kinder in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken: „Was kannst du tun, wenn dich etwas verletzt? Was brauchst du gerade? Was macht dich innerlich stark?“ Wer sich verstanden und ernst genommen fühlt, hat ein besseres Standing – auch gegenüber der oft harten Welt im Netz.
4. Viele Eltern fühlen sich beim Thema Mediennutzung zwischen „zu locker“ und „zu streng“ hin- und hergerissen. Was rätst du Familien, um eine gesunde Balance zu finden?
Ich rate zu einem beziehungsbasierten Ansatz: nicht Kontrolle statt Vertrauen, sondern Vertrauen durch Begleitung.
Konkrete Impulse von mir, die ich auch daheim mit meinen Kindern lebe:
- Medienzeiten gemeinsam festlegen
- Grenzen aushandeln, nicht einfach diktieren
- Eigene Unsicherheiten offen ansprechen
- Sich zeigen lassen, was das Kind spielt oder auch anschaut (und auch mal fragen: „Wenn Du Minecraft spielst, wie lange spielt man ungefähr, dass es überhaupt Sinn macht?“ oder „Was findest du bei Brawl Stars eigentlich so cool?“)
Wenn wir als Eltern in Kontakt bleiben und nicht nur regulieren, sondern auch verstehen wollen, entsteht echte Beziehung – und die ist die beste Basis für gesunde Mediennutzung.
5. Wie kann eine App wie Kidgonet Eltern dabei unterstützen, Kinder im digitalen Raum zu begleiten, ohne Kontrolle über Beziehung zu stellen?
Eine App wie Kidgonet kann eine wertvolle Unterstützung sein – wenn sie nicht heimlich oder misstrauisch eingesetzt wird, sondern als gemeinsames Werkzeug. Sie gibt Sicherheit durch Strukturen (z. B. Zeitbegrenzung oder Inhaltefilter), ersetzt aber nicht die menschliche Beziehung.
Ich finde es hilfreich, mit Kindern darüber zu sprechen: „Was an dieser App findest du fair? Was nicht? Wie können wir gemeinsam damit arbeiten?“ So entsteht Orientierung statt ein Machtkampf. Digitale Begleitung ist Beziehung – keine Überwachung.
6. Was gefällt dir persönlich am Ansatz von Kidgonet – also dem Versuch, Sicherheit, Vertrauen und Eigenverantwortung miteinander zu verbinden?
Mir gefällt besonders, dass Kidgonet versucht, Sicherheit und Freiheit nicht als Gegensätze, sondern als Ergänzung zu denken. Kinder brauchen klare Rahmen, aber auch die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und zu wachsen.
Kidgonet unterstützt Eltern dabei, nicht aus Angst zu reagieren, sondern bewusst zu begleiten. Wenn wir Kontrolle durch Vertrauen ersetzen, wächst echte Selbstwirksamkeit – und die ist das, was Kinder heute am meisten brauchen.